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Giuseppe Chiampo
Überleben mit Stift und Papier
Aus dem Tagebuch
eines Italienischen Militärinternierten
im Zweiten Weltkrieg in Hilkerode/Eichsfeld

Hrsg. für die Geschichtswerkstatt Duderstadt
von Günther Siedbürger
2004 · 213 Seiten · 56 Abb. · Pb. € 15,00
ISBN 978-3-926920-36-2

Überleben mit Stift und Papier
Erinnerungen eines italienischen Kriegsgefangenen

Nach dem Sturz des faschistischen Regimes 1943 von deutschen Truppen gefangen, entwaffnet und zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich verschleppt, gehörten italienische Soldaten zu den am stärksten leidenden Kriegsgefangenen in Nazi-Deutschland. Als „Badoglios“ des Verrats geziehen, verachtet und geschmäht, überlebten viele die Zwangsarbeit nicht; bis heute haben die Überlebenden keine Entschädigung für ihre Leiden erhalten.

Dies ist die Geschichte von Giuseppe Chiampo, der als 21-Jähriger gemeinsam mit bis zu 600 Kameraden in das Arbeitskommando Nr. 6008 Hilkerode im Eichsfeld verschleppt wurde. Während seine Leidensgenossen auf einer Großbaustelle im benachbarten Rhumspringe bis zur Erschöpfung arbeiten mussten, damit hier Treibstoff für die vermeintliche deutsche „Wunderwaffe“ V2 produziert werden konnte, gelang es dem jungen „Beppi“ Chiampo, eine Aufgabe als Schreiber im Lager zu erhalten. Er erlebte die Qualen und das Sterben seiner Gefährten, litt unter dem nagenden Hunger, wurde Vertrauensmann seiner Landsleute und nahm immer stärker die Verantwortung an, die ihm aus seiner herausgehobenen Stellung zuwuchs. In dramatischen, manchmal auch witzigen Szenen versuchte er, das Schlimmste für die ihm anvertrauten Italiener abzuwenden.

Chiampo S.115Während der 19 Monate seiner Gefangenschaft führte Giuseppe Chiampo die ganze Zeit über heimlich Tagebuch, wobei er die bedrückende Situation mit seinen religiösen Überzeugungen konfrontierte und die Chronologie des Leidens seiner Gruppe aufzeichnete. Fast 60 Jahre später setzte sich der Autor daheim in Italien noch einmal mit seinen Erlebnissen auseinander, ergänzte und kommentierte die Eintragungen aus der Erinnerung.

Entstanden ist eine damals unter Lebensgefahr verfasste Schilderung der Barbarei des Nationalsozialismus auch in der Provinz, eine faszinierende Mischung aus unmittelbarer und detailgetreuer Wiedergabe der damaligen Ereignisse und einer distanzierten, gelegentlich ironischen, stets aber engagierten Reflexion eines gereiften Mannes im Alter. Der Überlebenswille der Verfolgten, ihr italienischer Erfindungsreichtum und Witz werden ebenso deutlich wie die teilnahmslose, kaltherzige Ausbeutung durch Werk und Wachpersonal, der die wohltuende Hilfsbereitschaft einiger Dorfbewohner gegenübersteht.

Die Hintergründe der Verfolgung der italienischen Soldaten und die Situation im Arbeitskommando Nr. 6008 sowie die Geschichte der Schickertwerke Rhumspringe werden in ergänzenden Beiträgen von Günther Siedbürger und Hans-Georg Schwedhelm dargestellt.

Giuseppe Chiampo starb am 24. März 2003 in Paduva.

Leseprobe:

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