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Ira Spieker
Bürgerliche Mädchen
im 19. Jahrhundert

Erziehung und Bildung
in Göttin
gen 1806–1866
Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 4
1990, 114 Seiten · zahlr. Abb. · Pb. € 12,00
ISBN 978-3-926920-05-8

 
 


„Bildung des Verstandes, des Geschmacks und der Sitte“
Sozialisation im 19. Jahrhundert

Die Bildung der „höheren Tochter“ in den bürger­lichen Kreisen des 19. Jahr­hun­derts steht im Mittel­punkt dieses Buches. Es geht – jedenfalls in den Augen der dama­ligen Männerwelt – um jenen Typus junger Frauen, der zwar „über alles reden kann, aber nichts richtig versteht“. Es kann daher nicht verwun­dern, dass diese Männer­welt dem Bestreben junger Frauen nach mehr Bildung eher skeptisch gegen­über­stand.

Denn:
„Welcher Mann, der sich als Mann fühlt, kann es aushalten in der Nähe eines Weibes, das Gelehr­samkeit, Schul=Philo­sophie, wohl gar Skepti­zismus als Schild aushängt, wovon sie doch nur Worte nachlallt, ohne etwas von der Sache zu wissen, die sie auch nicht wissen soll, und von der sie selten etwas Zusam­men­hängen­des, Gründ­liches Wissen kann?“ (Johann Ludwig Ewald, 1826)

Dieser Beitrag zur weiblichen Soziali­sations­forschung verwendet die Institution Schule gewisser­maßen als Brennglas, um das zeitge­nössische Mädchen­ideal am Beispiel einer Höheren Töchter­schule in der Univer­sitätsstadt Göttingen nachzu­zeichnen. Er beleuchtet die Anfänge und Widrig­keiten der Mädchen­schulbil­dung seit 1806, zeigt, wie die Töchter­schule zur Realisie­rung eines zeitge­nössischen Tugend­ideals beitrug und befasst sich einge­hend mit den Familien­struktu­ren des Bürger­tums im 19. Jahr­hundert.

„Das Spannendste und Neue an Ira Spiekers Unter­suchung ist, dass eng anknüp­fend an das Quellen­material gezeigt wird, wie konkret mit der Mädchen­bildung in einer 10.000 Einwohner zählenden Universi­tätsstadt umge­gangen wurde [...] Eine hochwill­kommene und fach­gerecht durch­geführte Mikro­studie über die Insti­tutionali­sierung der Schulbil­dung bürger­licher Mädchen.“
Anne Feuchter-Schawelka, Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde

„[...] halte ich das Buch für einen wichtigen Beitrag zur Frauen­forschung. Ein Beitrag, der verschüt­tete Frauen­geschichte ans Licht bringt und gleich­zeitig erneut deutlich werden lässt, welche Aufgabe die Volks­kunde hier noch vor sich hat.“
Marita Metz-Becker, Zeitschrift für Volkskunde