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Ulrich Nußbeck
Karl Theodor Weigel
und das Göttinger Sinnbildarchiv

Eine Karriere im Dritten Reich
Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 7
1993 · 229 Seiten · 13 Abb. · Pb. € 17,00
ISBN 978-3-926920-12-6

 
 


Eine Karriere im Dritten Reich
Der Runenforscher Karl Theodor Weigel und das Göttinger Sinnbildarchiv

Die Suche nach germanischen „Sinnbildern“ im Schnitz­werk alter Fachwerk­häuser oder in der ornamen­talen Bemalung bäuer­lichen Mobiliars gehört seit vielen Jahr­zehnten zu den Stecken­pferden von Laien- und Heimat­forschern. Eine umfang­reiche sinnbild­kundliche Literatur, haupt­sächlich aus der Zeit des „Dritten Reiches“, ermöglicht scheinbare „Deutungen“ dieser Zeichen und Orna­mente, die nicht selten in kleineren Schriften oder in heimat­kund­lichen Artikeln der Lokal­zeitungen veröf­fent­licht werden.

Weigel, MontageVielfach wird übersehen, dass auf diese Weise national­sozialis­tisches Gedan­kengut bis in die heutige Zeit trans­por­tiert wird. Das Sam­meln und Deuten von „Sinn­bildern“ diente damals konkreten macht­politischen Interessen: Mit Hilfe der pauschal als Relikt alt­germa­nischer Kultur inter­pretier­ten Zeichen und Orna­mente sollte eine „artge­rechte Religion“ instal­liert werden, die freilich nichts anderes darstellte als die in die Vorzeit proji­zierten Eckpfeiler national­sozialis­tischer Ideologie.

Innerhalb einer eigens zu diesem Zweck gegrün­deten Institu­tion, dem Heinrich Himmler unter­stellten „SS-Ahnen­erbe“, prägte ein ehe­maliger Laien­forscher diese Bemü­hungen: Karl Theodor Weigel. In der regen sinnbild­kund­lichen Publi­kations­tätigkeit, vor allem aber in dem noch heute annä­hernd 50.000 Foto­grafien umfas­senden, so genannten „Göttinger Sinnbild­archiv“ des Sinnbild­schwärmers konzen­trierte sich die bis heute nachwir­kende Sinnbild­kunde der NS-Zeit.