Günther Siedbürger
Die Lokhalle und ihre Eisenbahner
Werksgeschichte und Arbeiterkultur
in Göttingen 1855–1945

1995 · 155 Seiten · 57 Abb. · Br. € 19,00
ISBN 978-3-926920-14-0

 
 


Die Lokhalle und ihre Eisenbahner
Göttinger Arbeiterkultur von 1855–1945

Die Geschichte des Eisen­bahn­ausbesse­rungs­werks Göttingen ist so alt wie die Geschichte der Eisen­bahnen selbst. Dieser wichtige Beitrag zur Arbeiter­kultur beschäftigt sich jedoch weniger mit dem jahre­lang nicht aus den Schlagzeilen gekom­menen Kultur­denkmal, sondern mit den dort Beschäf­tigten des einst bedeu­tendsten Arbeit­gebers der Stadt. Unter­sucht werden die Lebens- und Arbeits­bedin­gungen der Eisen­bahner im Span­nungs­feld zwischen staat­licher Repres­sion und arbeits­techni­schen Hemm­nissen einerseits sowie den eigenen Werten und politi­schen Forde­rungen anderer­seits. Das Göttinger Werk war nicht nur der größte, sondern in den Jahren der Weimarer Republik auch einer der gewerk­schaftlich bestorgani­sierten Betriebe in Göttingen; einzelne Arbeiter spielten darüber hinaus in der Wider­stands­tätig­keit während des Faschis­mus eine heraus­ragende Rolle.

Siedbuerger S.89In drei chrono­logischen Zeitab­schnitten – näm­lich von der Grün­dung bis zum Ende des Ers­ten Welt­kriegs, von 1918 bis zum Beginn der Nazi-Dik­ta­tur sowie von 1933 bis zum Ende des Zwei­ten Welt­kriegs – wer­den die soziale Situa­tion der Beschäf­tig­ten und ihre Aus­wir­kung auf die Arbei­ter­kultur unter­sucht – bis hin zu ihrer Zer­stö­rung unter Hitler. Jeweils wieder­keh­rende Aspekte (Verän­de­run­gen und Ent­wick­lung des Werkes, Aus­wir­kung auf die Arbeits­bedin­gun­gen, Wohn­ver­hält­nisse und so­ziale Lage etc.) er­mög­lichen in­teres­sante Ver­gleiche der behan­del­ten Zei­tab­schnitte. Ergänzt wird die Studie durch fünf Inter­views mit ehe­mali­gen Be­schäf­tig­ten – sowohl Arbei­ter als auch Beamte, einige davon in seiner­zeit wich­tigen Funk­tio­nen – die neben Ein­blicken in die subjek­tive Seite des Ar­beits­pro­zes­ses detail­lierte Aspekte zur Göttin­ger Arbe­iter­kultur ver­mitteln.

Der Beitrag der Arbeiter des Aus­besse­rungs­werks Göttingen zur lokalen Arbeiter­kultur sowie die Breite und Vielfalt dieser Kultur sind in Darstel­lungen zur Göttinger Geschichte und Kultur noch kaum jemals gewürdigt worden.

Die diesem Buch zugrunde liegende Studie wurde mit dem Förder­preis des „Verkehrs­forum Bahn e.V.“ ausge­zeichnet.