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Annette List
Die Industrialisierung
der Landwirtschaft zwischen
1850 und 1930 im Raum
Hannover – Braunschweig

Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 8
1995, 157 Seiten · 98 Abb. · Pb. € 14,00
ISBN 978-3-926920-16-4

 
 


Die Industrialisierung der Landwirtschaft
Die Entwicklung landwirtschaftlicher Geräte zwischen 1850 und 1930
und ihre angemessene Ausstellung im Museum

Waren landwirtschaftliche Geräte jahrtau­sende­lang so einfach konstruiert, dass ein Bauer sie noch selbst herstellen oder ein am Ort ansässiger Hand­werker sie anfer­tigen konnte, so trat Mitte des 19. Jahr­hun­derts eine entschei­dende Wende ein: neu entwickelte Trans­port­möglich­keiten bildeten die Basis für einen bis dahin nie dage­wesenen Austausch von Agrar­produkten und land­wirt­schaft­lichen Geräten. Zu den einst­mals einzigen Energiequellen menschliche und tierische Arbeitskraft kam nunmehr die künstliche hinzu.

List S.26Damit einher gingen drama­tische Verän­derun­gen auch der sozialen Situation der in der Land­wirt­schaft Tätigen; im 19. Jahr­hundert wurde der Bauer Herr auf seinem eigenen Hof, feudale und genossen­schaft­liche Zwänge traten in den Hinter­grund.

„Der Dampfpflug war für uns Kinder auf dem Land die jährliche Attrak­tion, wie es vielleicht damals für die Stadt­kinder der Zirkus gewesen sein mag. Das ganze Dorf war auf den Beinen. Die Maschi­nisten arbei­teten den ganzen Tag ohne größere Pausen. Wir Kinder haben uns ein paar Groschen dazu­verdient, indem wir für die Dampf­pflug­kolonne ins Dorf liefen und ihnen Tabak und Getränke gekauft haben.“

Im Hinblick darauf, dass ein Museum nicht nur Ort der Aufbe­wah­rung und des Konser­vierens sein kann, ent­wickelt die Autorin über eine agrar­histo­rische Aufar­beitung hinaus museums­pädago­gische Konzepte, die auf den Empfeh­lungen und Erkennt­nissen der XII. General­konfe­renz des ICOM 1980 in Mexiko City basieren. Soll ein Museum auch Bildungs­einrich­tung sein, müssen didak­tische Über­legun­gen in den Vorder­grund treten. Visuelle Medien, verbale Inter­preta­tions- und akus­tische Lern­hilfen sind nur einige Aspekte, mit denen sich die Autorin ausführ­lich ausein­ander­setzt.

Ein Buch, das sich vor allem auch an den Museums­päda­gogen wendet, der in die Lage versetzt werden soll, nicht nur einzelne Exponate zu präsen­tieren, sondern histo­rische Entwick­lungs­prozesse zu veran­schau­lichen.