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Dirk Otten
Kosmische Offenbarung
Mediale Kundgaben in der Moderne
Vorwort von Prof. Dr. Dieter Harmening
Göttinger Beiträge
zu Politik und Zeitgeschichte 3
1997, 150 Seiten · Pb. € 19,00
ISBN 978-3-926920-19-5

 
 


Kosmische Offenbarung
Esoterische Religiosität unter der Lupe

Die Esoterik boomt. Noch ist nicht ausgemacht, ob es sich nur um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt oder ob sie sich als dauerhaftes religiöses Segment der modernen Kultur etablieren wird. Dabei herrscht innerhalb der Kultur- und Sozialwissenschaften ein erheblicher Mangel an fundierten Untersuchungen vor, welche die außerkirchliche, „esoterische“ Religiosität in all ihren verschiedenen Ausdrucksformen als kulturelles Phänomen der Moderne zur Kenntnis nehmen, ohne sie schon vorweg zu bewerten – nach wie vor besonders gerne als „Rückfall“ in einen vormodernen Irrationalismus. Gleichwohl steht auch der Mensch in der Moderne den Errungenschaften in Staat und Gesellschaft häufig ebenso hilflos, unwissend und angstvoll gegenüber wie einstmals der vormoderne und „unaufgeklärte“ Mensch den scheinbar sinnlos und allmächtig über ihn hereinbrechenden Naturgewalten.

Diese Arbeit legt am Beispiel eines in den sechziger Jahren durch „mediale Durchgaben“ entstandenen Textes erstmals die esoterische Kundgabenliteratur der Moderne als Quelle einer kulturwissenschaftlichen Untersuchung zur historischen Bewusstseins- und Mentalitätsforschung zugrunde. Die in dieser volkstümlichen Offenbarung enthaltenen esoterischen Konzepte und Topoi – vom zivilisationskritischen Gegenbild des überlegenen und helfenden Außerirdischen bis hin zur okkulten Utopie des „Neuen Zeitalters“ – werden systematisch in die Religionsgeschichte der esoterischen Kultur der Moderne eingeordnet und mit einer mentalitätsgeschichtlichen Analyse jener bürgerlichen Subkultur verbunden, in der diese Vorstellungen entstanden sind. Die Untersuchung spannt dabei einen Bogen von den historischen Frühformen des Okkultismus am Ende des letzten hin zu den aktuellen Erscheinungen der „New-Age“-Bewegung des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Geschickt verknüpft der Autor in dieser Untersuchung das vorherrschende religiöse Sinnvakuum der Moderne mit Fragen nach Bildungsniveau und subjektivem Ohnmachtsgefühl des Individuums, um zu aufschlussreichen, gesellschaftsrelevanten Erkenntnissen zu gelangen.

„... mit erstaunlicher Souveränität, großer Selbständigkeit und kritischer Distanz zur ,Volksglaubenslehre‘ der Volkskunde sein Thema in die ältere und die aktuelle Diskussion ... eingeordnet. Seine Arbeit ist in ihrer Gliederung vorbildlich und im sprachlichen Ausdruck auf einem ... selten zu findenden Niveau.“
Prof. Dr. Albrecht Lehmann, Hamburg

„Die Arbeit ist mehr als überzeugend, sie ist exzellent. Dem Verfasser ist nicht nur dafür zu danken, eine spannende Quelle erschlossen und spannend aufgeschlüsselt zu haben, sondern die Lektüre selbst ist auch im einzelnen durchweg ein Genuss: in der Gesamtanlage ist sie stringent, in der sprachlichen Darstellung souverän, im Argumentationsgang schlüssig und in der Diktion fern jeglichen Gesinnungsdiskurses. Geradezu meisterlich den Gedankenfaden haltend, führt die Arbeit durch das Labyrinth der esoterischen Weltbilder seit dem 19. Jahrhundert und macht den Inhalt der ,Blauen Hefte‘’ als eine eigenständige synkretistische Leistung verständlich.“
Prof. Dr. Andreas Hartmann, Münster

„Neutral und doch spannend, nie wertend (obwohl er zugibt, daß das manchmal schwerfiel) referiert Otten die Inhalte der Durchgaben. Umfangreich sind auch die Anmerkungen zum wissenschaftlichen Umgang mit solch exotischem volkskundlichem Material, die für jeden Skeptiker zur Pflichtlektüre werden sollten ... Ein wichtiger Beitrag für das Verständnis solcher nur scheinbar exotischen Formen des Ufo-Glaubens.“
JUFOF 6/1998

 

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