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Iris Mann
Existenzgründerinnen in
Ost- und Westdeutschland

Rahmenbedingungen
und Einschätzungen
des kommunikativen Verhaltens

Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 13
1998, 150 Seiten · Pb. € 19,00
ISBN 978-3-926920-22-5

 
 


Existenzgründerinnen in Ost- und West
Verhaltensmuster – Selbstverständnis – Kommunikation

Aufgrund der angespannten wirtschaft­lichen Lage ist das Thema Existenz­grün­dung in den vergan­genen Jahren zuneh­mend in den Blick­punkt der öffent­lichen Diskus­sion gerückt, und auch die Sozial­wissen­schaften öffnen sich stärker damit verbun­denen Frage­stellun­gen. Bemü­hungen, Existenz­gründun­gen zu fördern, werfen Fragen nach Faktoren, die den Schritt in die Selbst­ständig­keit begüns­tigen oder hemmen, auf.

Mit dem Thema Existenz­gründung werden in dieser Unter­suchung zwei Schwer­punkte empi­risch-kultur­wissen­schaft­licher Arbeit der letzten Jahre verbunden: die Frauen­forschung und die Erfor­schung ost- und west­deut­scher Alltags­beziehun­gen und -entwick­lungen seit 1989. Die Arbeit beschäftigt sich weniger mit den sog. „hard facts“ – den Fragen z.B. nach den formalen Voraus­setzun­gen wie Berufs­qualifi­kation, Kapital­ausstat­tung und Rechtsform –, vielmehr interes­sieren die Autorin kom­muni­kative und soziale Aspekte wie Ver­haltens­mus­ter, Selbst­verständ­nis und Denk­strukturen.

Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Existenz­gründe­rinnen häufiger als ihre männ­lichen Kollegen mit Rollen­proble­men und Schwierig­keiten im Auftreten gegen­über Kunden, Vertretern und Liefe­ranten zu kämpfen haben. Die Rolle der Frau in der Gesell­schaft, die maßgeb­lich mit ihrer Stellung auf dem Arbeits­markt verknüpft ist, wird als Grund­lage für die Entwick­lung von Selbst­verständ­nis und – daraus resultierend – Verhalten gesehen. Die unter­schied­liche gesell­schaft­liche und wirt­schaft­liche Entwick­lung in beiden Teilen Deutsch­lands legt die Vermu­tung nahe, dass Gründe­rinnen ihren Weg in die Selbst­ständig­keit mit jeweils unter­schied­lichen Voraus­setzun­gen beschreiten, die sich auch im Auftreten und Verhalten äußern. Gibt es also spezifi­sche Unter­schiede in Vorgehen und kom­munika­tivem Verhalten der Existenz­gründe­rinnen in Ost- und West­deutsch­land, die sich aus biographi­schen und kultu­rellen Erfah­rungen herleiten lassen? Welche Faktoren sind entschei­dend für die Heraus­bildung even­tueller Unter­schiede?

Nach einer Analyse der gesell­schaft­lichen Rahmen­bedingun­gen in beiden Teilen Deutsch­lands seit 1945 untersucht die Autorin mit Hilfe qualita­tiver Inter­views, inwieweit sich die persön­lichen Einschät­zungen von Existenz­gründe­rinnen in den alten und neuen Bundes­ländern – was Kom­munika­tion, Selbst­einschät­zung und Auftreten betrifft – unter­scheiden.

Die Autorin ist Bürgermeisterin für Bildung, Soziales und Kultur der Stadt Ulm.

„Eine wissenschaftlich niveauvolle, in Aufbau und Darstel­lungs­weise so gut wie perfekte und argu­mentativ höchst einleuch­tende Arbeit.“
Prof. Dr. Bernd J. Warneken, Tübingen