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Djongkil Kim
Zur Theorie der Moderne: »Gleichzeitigkeit
des Ungleichzeitigen«

Ein Beitrag zur Diskussion um die Moderne in soziologischen Gesellschaftstheorien
1999 · 231 Seiten · Pb. · € 19,00
ISBN 978-3-926920-24-9

 
 


»Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen«
Die Moderne im Fokus soziologischer Gesellschaftstheorien

Taugen funktio­nalis­tische Moder­nisierungs­theorien zur Erklärung von Gegen­warts­gesell­schaften, ihren Erschei­nungs­formen und Problemen?

Der Funktionalismus mit seinen modernen, system­theore­tischen Aspekten gehört zu den wohl einfluss­reichs­ten und empirisch auch frucht­barsten sozio­logischen Theorien. Allen Moder­nisierungs­theoreti­kern gemein­sam ist – selbst wenn sie dies nicht offen ausführen – die Annahme, dass sich in langer Epochen­folge abge­laufene euro­päische Entwick­lungen in verkürzter Form nun auch dort abspielen müssten, wo modernes tech­nisch-öko­nomisches Denken heutzu­tage in die Tat umge­setzt wird.

Diese Auffas­sung zur Moderne bzw. Moder­nisierung im sozio­logischen Funk­tiona­lismus wird von Djongkil Kim auf eindrucks­volle Weise in Frage gestellt. Der Autor wendet sich gegen die kritiklose Rezeption und Über­nahme solcher Theorie und unter­sucht, ob und inwie­weit die Grund­annah­men von Vertretern des soziolo­gischen Funk­tionalis­mus für die Erklärung der zeit­genös­sischen „modernen“ Gesell­schaften Gültig­keit haben können, denn eine quanti­tativ größere, komplexe, moderne Welt­gesell­schaft kann nach Kims Auffas­sung nicht allein primär durch Arbeits­teilung und funk­tionale Diffe­renzie­rung erklärt werden, sondern durch eine Reihe von Tendenzen gleich­rangiger, gegen­läufiger Phäno­mene – durch eine „Gleich­zeitig­keit des Ungleich­zeitigen“ – wie z.B. Differen­zierung und Ent­differen­zierung, Kom­plexitäts­erhöhung und ihre Vermin­derung etc.

Der kritischen Würdigung verschie­dener theore­tischer Ansätze – unter beson­derer Berück­sichti­gung der funktio­nal-struk­turellen Theorie N. Luhmanns – folgt eine verglei­chende Gegen­über­stellung und kritische Über­prüfung konkur­rieren­der Ansätze (Haber­mas, Berger/Luck­mann, Münch, Eisen­stadt). Folge­richtig befasst Kim sich anschlie­ßend mit der globalen ökolo­gischen Krise als neuer Heraus­forde­rung an die moderne Welt­gesell­schaft und damit, wie sie in gängigen – gegen­sätz­lichen – Moder­nisie­rungs­theorien (Luh­mann/Beck) inter­pretiert wird. Am Beispiel des „Schwellen­landes“ Japan als nicht­west­licher moderner Gesell­schaft prüft der Autor, ob der Wandel zur Moderne immer westlichen Modellen folgt und fragt, ob angesichts globaler ökolo­gischer Welt­probleme („Nord-Süd-Gefälle“) soziolo­gische Moder­nisierungs­theorien den großen Problemen wirklich voll gerecht werden.

„Da aber so manche kritischen Positionen selbst ideolo­gisch besetzt waren [...], ist der Frage-Ansatz [...] begrüßens­wert und die Weise seiner gedank­lichen Bearbei­tung. Denn es geht ihm nicht um sozial­wissen­schaftlich verbrämtes ideolo­gisches Pro und Kontra, sondern darum, die Stich­haltig­keit der Theorien einerseits und ihren Erklärungs­wert gegenüber zweifelsfrei konsta­tierbaren sozialen Phäno­menen und Prozessen zu prüfen.“
Prof. Dr. Konrad Thomas

Djongkil Kim, Jahrgang 1962, studierte an der Korea Universität, Seoul, Soziologie, ab 1985 in Göttingen Soziologie, Wirtschafts- und Sozial­psycho­logie sowie Völkerkunde. Seit 1993 ist Kim wissen­schaft­licher Lehr­beauf­tragter an der Univer­sität Seoul.

 

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