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Alexander von der Borch-Nitzling
Das Dritte Reich im stern
Vergangenheitsverarbeitung 1949–1995
Göttinger Beiträge
zu Politik und Zeitgeschichte 4
1999 · 207 S. · 11 Abb. · 6 Tab. · 15 Diagr.
Pb, € 19,00 · ISBN 978-3-926920-25-6

 
 


Das Dritte Reich im stern
Vergangenheitsverarbeitung 1949–1995

„Mit seinen Serien über die Kinder vom Bullenhuser Damm, den Juwelier von Maidanek, das Schicksal der ,Cap Arcona‘ und den vielen zeit­geschicht­lichen Beiträgen Sebastian Haffners hat der stern versucht, seinen Teil zu einem wahrheits­getreuen Bild der Nazi­-Tyrannei beizutragen“.So beschreibt der stern anlässlich der Präsentation der angeb­lichen Tage­bücher Adolf Hitlers in Heft 18/1983 die Art und Weise, wie er seine Leser bis dato über das Dritte Reich informiert hatte. Zwei Hefte später bereits, nachdem sich die angeb­lichen Hitler Tage­bücher als plumpe Fälschung erwiesen hatten, musste diese Aussage wie ein blanker Hohn erscheinen. Dies um so mehr, als der stern kurz vor Kenntnis der Fälschung großspurig davon gesprochen hatte, dass die Geschichte des Dritten Reiches aufgrund dieses „Fundes“ in großen Teilen neu geschrieben werden müsse.

In dieser Untersuchung wird die Frage geklärt, wie sich der stern über ein knappes halbes Jahr­hundert hinweg mit den Jahren zwischen 1933 und 1945 ausein­ander gesetzt hat, welches Bild der NS Zeit er den Deutschen präsentierte, ob – und wenn ja, wie – sich seine Darstel­lungen im Laufe der Jahre änderten und worauf diese Änderungen zurück­zuführen sind.

Der erste Teil des Buches behandelt zunächst zwei grund­legende Aspekte massen­medialer Geschichts­vermitt­lung (Gedächtnis und Kom­muni­kation), anhand derer sich konkrete Fragen aufdrängen: Warum hat eine Zeitschrift wie der stern überhaupt Interesse an der Veröf­fent­lichung geschicht­licher Beiträge über die NS Zeit? Dienen sie als Lücken­füller in der sog. Saure­gurken­zeit oder kommt ihnen eine tiefere Bedeutung zu? Wie reagieren die Leser auf dieses Thema, werden sie von den Redak­teuren mani­puliert oder manipu­lieren diese die Redak­teure? Bewahr­heitet sich die von den Mitscher­lichs attestierte deutsche „Unfähigkeit zu trauern“? Herrscht zwischen Konsu­ment und Produzent eine stille Überein­kunft vor, ein einmal vor dem Hinter­grund einer gemein­sam geteilten Vergan­gen­heit gezeichnetes Bild der NS Zeit aufrecht zu erhalten?

Im zweiten, empirischen Teil des Buches werden neben Leser­briefen die redaktio­nellen Beiträge zu wesent­lichen Aspekten deutscher Vergan­genheits­verarbei­tung auf die oben auf­gewor­fenen Fragen eine Antwort geben: Ent­nazifi­zierung durch die Alliierten, Wider­stand während der NS Zeit, die deutschen Vernich­tungs­lager, Alt  und Neonazis – all dies sind Themen, mit denen sich der stern im Laufe von fast 50 unter­suchten Jahr­gängen befasst hat. Zwei besondere Formen der Ausein­ander­setzung mit der national­sozialis­tischen Vergan­genheit bilden dabei die stern-Ro­mane und die stern-Tatsachen­romane. Klagen über die Stigma­tisierung des deutschen Kollektivs durch das Ausland, die Stigma­tisierung Fremder durch den stern selbst, die Geschichte der Veröffent­lichung der „Hitler-Tage­bücher“ sowie die sich im stern wider­spiegeln­den Verände­rungen deut­scher Vergan­genheits­verarbei­tung seit Beginn des Wieder­vereini­gungs­prozesses 1989 sind weitere Unter­suchungs­abschnitte des empi­rischen Teils, der es dem Leser so ermög­licht, sich ein „wahrheits­getreues Bild“ über die NS-Geschichts­betrach­tung des stern zu machen.

 

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