Cover

Ulrich Reiff
Vom Bergmann zum Arbeiter
Die Verbrüderung der Bergmanns-, Handwerker- und Arbeitervereine
in der Revolution 1848/49 im Oberharz

Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 17
2001, 290 S. · 67, z.T. farb. Abb. · Pb. € 22,00
ISBN 978-3-926920-31-7

 
 


Vom Bergmann zum Arbeiter
Revolutionärer Umbruch im Oberharz 1848/49

Der Oberharz: ein revolu­tionärer Brenn­punkt und frühes Zentrum der Arbeiter­bewegung?
Eine 1992 zufällig im Sperrmüll in Clausthal/Harz gefundene Fahne, die wohl letzte über­lieferte der allge­meinen deutschen Arbeiter­verbrüde­rung von 1848/49, begründet eine solche Annahme.

Reiff, Bergmann S.240Diese gemeinsam mit dem Oberharzer Geschichts- und Museums­verein erscheinende historisch-archi­valische Lokal­studie rekonstruiert vor sozial- und protest­geschicht­lichem Hinter­grund die Entste­hung und Entwick­lung der ersten Arbeiter­vereine im Oberharz und deren Verbin­dungen zur Bewe­gung der Arbeiter­verbrüde­rung. Dabei wird der Frage nach­gegangen, wie deren Ideen in den Ober­harzer Bergstädten aus nach­revolutio­närer Enttäu­schung eine über­raschend starke Resonanz erhalten konnten und in welcher Form sie dort in die Praxis umgesetzt wurden.

Die als Reprä­senta­tionen der Bevöl­kerungs­mehr­heit 1848 in großer Zahl gegrün­deten Berg­manns-, Hand­werker- und Arbeiter­vereine wurden durch allge­meine Asso­ziation im Früh­som­mer 1849 für kurze Zeit zum bestim­menden politi­schen Faktor der Harzregion. Unter polizei­militä­rischer Repres­sion gegen die demo­kratischen Bewe­gung gingen zwar ein Regional­verbund und die Mehrzahl der Arbeiter­vereine 1849 bis 1850 wieder ein, einige Berg­manns­vereine, die außer in Clausthal und Zeller­feld auch in Altenau, Wilde­mann, Bad Grund, Lautenthal und St. Andreas­berg ent­stan­den waren, über­lebten jedoch als traditional abgesicherte Unter­stützungs­kassen oder Gesellig­keits­vereine. Das Jahr 1848 markiert somit den Beginn der organi­sierten Arbeiter­bewe­gung im Harzraum.

Wie der Sperrmüllfund zeigt, schlummern manche Spuren dieser Versuche, die Geschichte in die eigenen Hände zu nehmen, hier vielleicht noch im Verbor­genen.