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Kerstin Ehlert
Dreißig - ledig - lustig?
Moderne Bräuche am 30. Geburtstag
Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen 20
2005, 162 Seiten · 53 Abb. · Pb. € 17,00
ISBN 978-3-926920-37-9

 
 


Dreißig - ledig - lustig?
Unverheiratet – im besten Alter

Treppen fegen und Klinken putzen heißt es für viele Singles vor allem im nord­deut­schen Raum, die mit 30 Jahren noch immer nicht „unter die Haube“ gekommen sind.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass Heiraten als soziale Norm galt und Ledige als Abweichler vorgeführt wurden. Sie mussten unter öffent­licher Zurschau­stellung ernie­drigende, sinnlose Tätig­keiten ausführen. Betroffene (zumeist Männer) fühlten sich gede­mütigt und sollten auf diese Weise zum Heiraten animiert werden.

Ehlert S.47Wer heute fegt oder Klinken putzt, befindet sich – im wahrsten Sinne des Wortes – in bester Gesell­schaft, näm­lich in einer Gesell­schaft, in der man es mit dem Heiraten nicht so eilig hat und dies auch offen­bar nicht für sonder­lich wichtig hält. Denn die Bedeu­tung der Ehe scheint abzu­nehmen.

Viele Betrof­fene leben ohne Partner, heiraten erst jenseits der 30 oder gar nicht. Das Verwei­len im Ledigen­status – ob als echter Single oder mit festem Lebens­partner – begegnet uns heute immer öfter. Man sollte also anneh­men, dass den Ledigen gegen­über den Verhei­rateten keine gerin­gere Achtung oder gar Ächtung durch einen Brauch wider­fahren kann. Dennoch verwundert es, dass kein anderer Geburtstag von einem ver­gleich­bar ausge­prägten öffent­lichen Brauch­gesche­hen begleitet zu sein scheint.

Kerstin Ehlert nimmt sich der Spezies (noch) Unver­heira­teter aus kultur­wis­sen­schaft­licher Sicht an und beob­ach­tet Celler Frauen und Männer in diesem „besten Alter“. Trotz wissen­schaft­licher Heran­gehens­weise ist dabei eine ebenso unter­halt­same wie infor­mative Betrach­tung über die Brauch­tums­pflege junger Menschen heraus­gekom­men.