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Matthias Fieder
Von Kasperletheater
bis Bolschewistische Volkskunde

Die Zeitschrift Deutsche Volkskunde (1939–1944)
Göttinger kulturwissenschaftliche Studien 1
2008, 205 Seiten · 9 Abb. · Pb. € 21,00
ISBN 978-3-926920-41-6

 
 


Von Kasperletheater bis Bolschewistische Volkskunde
Die Zeitschrift Deutsche Volkskunde (1939–1944)

Relativ spät erst hat sich die deutsche Volks­kunde mit dem Stigma des Volks­tüm­lichen und infolge ihrer Instru­menta­lisierung durch den National­sozialis­mus mit völki­scher Ideolo­gisie­rung ausein­ander­gesetzt. Erste kritische Refle­xionen über das tradierte Fach­verständ­nis, die etwa ab Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahr­hunderts einsetz­ten, halten bis heute an und führten im weiteren Verlauf zur Umbe­nen­nung wissen­schaft­licher Ein­rich­tun­gen sowie einer inhalt­lichen Neuaus­richtung. Zuvor war Volks­kunde, so der Tübinger Wissen­schaftler Hermann Bau­singer, „über weite Strecken eine Sam­mel­wissen­schaft“, die von den National­sozialis­ten zudem „funktio­nalisiert und für staats­imperia­listi­sche Zwecke einge­setzt und auch mani­puliert“ worden war.

Fieder S.70Eindrucksvoll spiegelt sich die dama­lige Zeit, in der „zwei Volks­kunden“ in Deutsch­land neben­ein­ander exis­tierten (Will-Erich Peuckert) – nämlich eine dilettan­tische-na­tional­sozialis­tische und eine ernst­haft-wissen­schaft­liche, die unter den Zwän­gen der Diktatur aller­dings im Unter­grund agieren musste –, in der seiner­zeit füh­renden Fach­zeit­schrift Deutsche Volks­kunde wider. Diese Arbeit beleuchtet insofern mit dem Zeit­raum des Zweiten Welt­kriegs eine spezielle Ära der deut­schen Volks­kunde. Anhand von Beiträgen und Rezen­sionen des Publika­tions­organs der dem Amt Rosen­berg nahe­stehen­den Reichs­arbeits­gemein­schaft für deutsche Volks­kunde werden die thema­tischen Arbeits­felder dieser Ära einzeln untersucht und auf ihre jeweilige Kompa­tibilität mit national­sozialisti­schen Ideologie­vorstel­lungen analysiert. Hieraus ergibt sich ein komplexes Bild, das nicht nur die Vielzahl pro­gram­mati­scher Stimmen über­zeugter, national­sozialis­tisch gesinnter Volks­kund­ler des Amts Rosen­berg und deren Oppor­tunis­ten aufzeigt.

Gab es Autorinnen und Autoren, deren DV-Beiträge den ideolo­gischen Richt­linien der Arbeits­gemein­schaft nicht entspra­chen oder even­tuell sogar wider­sprachen? Sind auf der anderen Seite die ideo­logie­konfor­men DV-Beiträge als einheit­lich zu bewerten oder zeigen sich graduelle Unter­schiede? Diesen Fragen wird in der Arbeit nach­gegangen.

Die Reihe Göttinger kulturwissenschaftliche Studien ersetzt die Reihen Beiträge zur Volkskunde in Niedersachsen und Göttinger Beiträge zu Politik und Zeitgeschichte.