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Leben im Weltkulturerbe
Ethnographische Skizzen zum alltagskulturellen Umgang mit
dem Prädikat „UNESCO-Welterbe“

Hrsg. v. Dorothee Hemme und Markus Tauschek
Göttinger kulturwissenschaftliche Studien 2
2008, 172 Seiten · 6 Abb. · Pb. € 19,50
ISBN 978-3-926920-42-3

 
 


Last oder Lust? Deutsche und das Weltkulturerbe
Ethnographische Skizzen zum alltagskulturellen Umgang

Mit der Ernennung zum „Welterbe der Mensch­heit“ durch die UNESCO erlangen Objekte ihre Bedeu­tung nicht allein im lokalen Kontext, sondern befinden sich gleich­sam von heute auf morgen im Fokus inter­natio­naler Beob­ach­tung, die nicht nur Touristen­ströme, sondern auch Ein­mischun­gen durch Experten etwa des Denkmal- und Ensemble­schutzes nach sich ziehen.

Weltkulturerbe S.2In diesem Band nehmen die Auto­rinnen und Autoren aus unter­schied­lichen Perspek­tiven am Beispiel zweier nieder­sächsi­scher Kultur­erbe­stätten – Hildes­heim und Goslar – jene Akteure in den ethno­graphi­schen Blick, die tagtäg­lich und unmit­telbar sowohl mit der Materia­lität eines solchen kultu­rellen Erbes als auch mit seiner symbo­lischen Dimen­sion konfron­tiert sind. Hildes­heim besitzt mit dem Dom und der Michaelis­kirche zwei bedeut­same kirch­liche Orte innerhalb des Stadt­gebiets, die gemein­sam den UNESCO-Titel erhalten haben; Goslar wurde mit seiner an Fach­werk­gebäu­den reichen Altstadt zusam­men mit dem Bergwerk Rammels­berg als histo­risches Ensemble zum Welt­erbe deklariert.

Dem institutionellen Anspruch der UNESCO nach betrifft der Erhalt des Welt­erbes alle Menschen. Doch die Inten­tionen, die die UNESCO mit einer Dekla­rie­rung zum kultu­rellen Erbe verfolgt, müssen nicht zwangs­läufig mit den Inten­tionen der lokalen Akteure über­ein­stim­men. Entschei­dend ist, wie lokale Akteure dieses globale Konzept und den Bedeu­tungs­zu­wachs, den kultu­relle Relikte durch die inter­natio­nale Auszeich­nung erhalten, auf der lokalen Ebene adap­tieren. Adap­tieren sie es über­haupt?

Die vielfältigen empirischen Befunde dieses Bandes verdeut­lichen, dass sich lokale Akteure das Prädikat Welterbe durchaus eigen­willig aneignen.