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Anke Heidenreich
Kleppenkämpfe
Brauchtum im Solling
zwischen Tradition und Innovation

Göttinger kulturwissenschaftliche Studien 6
2011, 140 S. · 10 Abb. · 1 Tab. · 1 DVD
Pb. € 24,00
ISBN 978-3-926920-46-1

 
 


Vom Initiationsritual zum Stadtfest
Uslarer Spenneweih – zum Wandel eines Brauches im Solling
Mit Videodokumentation auf DVD

Der Wandel von Bräuchen wurde in der volks­kund­lichen Forschung lange Zeit mit statischem Blick auf Tradition und Kontinuität betrachtet, bloße Zustands­beschrei­bungen waren die Folge. Erst mit Anlehnung an gesell­schafts­wissen­schaft­liche Frage­stellun­gen fand ein dyna­misches Verständnis von Tradition und damit auch der Wandel von Bräuchen Eingang in die kultur­anthro­pologi­sche Forschung, rückten reine Zustands­beschrei­bungen zugunsten einer bedeu­tungs- und funktions­analyti­schen Sichtweise zuneh­mend in den Hinter­grund.

Heidenreich S.86

Mit einem Brauch, der vor allem seit 1957 massive Verän­derun­gen erfahren hat, befasst sich diese Arbeit: die Spenne­weih vom Rathaus in der Sollinger Kleinstadt Uslar. Als Kampf um die Kleppe diente er zunächst den ausschließ­lich männ­lichen Akteuren bis Mitte der 1950er Jahre als Initiations­ritual, um sich im Laufe der Jahre zu einem fried­lichen Staffel­lauf und 2008 erstmals zu einem ganz­tägigen Stadtfest zu wandeln. Nicht alle Akteure beurteilen diesen Wandel positiv: Der kulturelle Umgang mit Tradition und die Toleranz gegenüber Innova­tionen richtet sich maßgeb­lich danach, welche Bedeu­tung die Spenne­weih für den Identitäts­bildungs­prozess der Betei­ligten hatte und wie groß die eigene Kontrolle über das Kultur­gut als Identitäts­quelle gegen­wärtig noch ist.

Die Autorin spürt in ihrer Unter­suchung, die sie im Rahmen eines beglei­tenden Doku­mentar­films durch­geführt hat, die Mecha­nismen auf, die für den entweder positiven oder kritischen Umgang mit dem Brauch­wandel verant­wortlich sind.